Zur Erinnerung:

Im letzten Jahr hatte der Landkreis Leer  in Westoverledingen eine starke Versalzung der Binnengewässer

infolge des Eintrags von Wasser aus dem Fluss festgestellt.

In einem Brief an den Entwässerungsverband, die Muhder Sie­lacht,

schreibt die Leeraner Behörde auch von einer „starken Beeinträchtigung

der weiterführenden Gewässer“ und von einer Zerstörung des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen.

> trotz dieser Feststellung wird weiter tonnenweise Salzlauge aus den Salzkavernen in die Ems gepumpt.   
   > jede Stunde bringt der Ems 1260 Tonnen Salz

 

 

Bürgerinitiative will Gebäudeschäden erfassen

Jemgum - Die Bürgerinitiative (BI) "Rheiderland up Stee" bittet Anlieger der Kavernenbaustelle und anderer Baumaßnahmen in Jemgum, Holtgaste und umzu, sich bei Schäden an Häusern und Grundstücken zu melden. "Wir wollen wissen, wo etwas passiert und ob sich möglicherweise irgendwo etwas konzentriert", so BI-Vorsitzer Gerd Santjer aus Soltborg.

Ob es möglicherweise Zusammenhänge zwischen bestimmten Schäden und Baumaßnahmen geben könne, sei der BI bisher nicht bekannt. Das sei ein großer Nachteil, sagt Santjer. Eine Schadensmeldung an die Initiative ersetze aber nicht den Anruf bei den Kavernenbetreibern EWE und Wingas. Die hatten bei einer Info-Veranstaltung am 7. Dezember zugesagt, mögliche Schäden schnell und unbürokratisch zu regeln (die OZ berichtete).

Privatpersonen haben gegenüber den Konzernen kaum keine Chance auf Schadenersatz

Die Resolution, die die BI am vergangenen Montag dem Jemgumer Gemeinderat vorgelegt hat, hat FDP-Ratsherr Arnold Venema am Mittwoch auch seinem Parteifreund, dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Jörg Bode, mit auf den Weg nach Hannover gegeben - dazu noch ein juristisches Gutachten und den Katalog mit den Fragen der BI an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und den Antworten der Behörde darauf.

Venema nutzte die Gelegenheit, auf die Folgeschäden des Kavernen- und Pipeline-Baus hinzuweisen. Privatpersonen hätten gegenüber den großen Konzernen nahezu keine Chance auf Schadenersatz, falls ihre Gebäude oder Ländereien infolge der Bauvorhaben versackten. Es sei unerlässlich, dass eine Behörde wie das LBEG nicht nur Großprojekte genehmige, sondern auch kontrolliere, ob die Vorgaben eingehalten würden.

 

 

 Ostfriesen Zeitung, Teil Krummhörn, 14. Januar 2009

Jede Stunde bringt der Ems 1260 Tonnen Salz

Die Gemeinde Krummhörn lehnt das Projekt ab. Sie fürchtet Schäden für
Fischer und Tourismus.

Krummhörn - Das Projekt ist gigantisch, das Interesse eher mäßig:

 

 



 

Salz aus Jemgum soll ab April in die Ems

Von Michael Mittmann   18.Mai 2008

Im Sommer darf möglicherweise keine Sole in den Fluss eingeleitet werden. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren soll voraussichtlich im Juni oder Juli abgeschlossen sein.

Jemgum - Die Unternehmen Wingas und EWE, die im unterirdischen Jemgumer Salzstock Erdgas-Kavernen anlegen wollen, wollen Anfang April kommenden Jahres mit der Aussolung beginnen. Das teilte Wingas-Projektleiter Arkadius J. Binia am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Jemgum mit.

„Dabei werden wir nicht in dem von uns gewünschten Umfang verfahren können”, unterstrich Binia im Hinblick auf das noch laufende wasserrechtliche Genehmigungsverfahren, das im Juni oder Juli abgeschlossen sein soll. Beantragt habe man die Einleitung von 4200 Kubikmetern Sole oberhalb von Ditzum stündlich, so Binia auf Nachfrage. Dabei handele es sich um den theoretisch möglichen Spitzenwert, der aller Voraussicht nach so nicht genehmigt werde.

Wie lange die Salzlösung gepumt wird, ist offen

„Die Gutachten haben ergeben, dass es in der Praxis deutlich weniger wird”, so der Wingas-Projektleiter. Bei niedrigerem Pegelstand der Ems werde weniger eingeleitet, im Sommer möglicherweise gar nicht, was einen Produktionsstopp bei der Aussolung bedeute.

Für wie lange die Salzlösung bei Ditzum in die Ems gepumpt wird, ist offen. Im Idealfall im Juli/August werde man einen Antrag stellen, bei Rysum einzuleiten. „Wenn das Genehmigungsverfahren rund läuft, wäre es denkbar, nach einem halben Jahr mit der Soleeinleitung nach Rysum zu gehen”, so Binia.

 

 

 

18.12.2007 Ostfriesenzeitung

Sole-Einleitung

Die Unternehmen Wingas und EWE wollen bei dem Bau von 33 Erdgaskavernen in Jemgum die Ems doppelt nutzen: Mit ihrem Wasser soll das Salz ausgespült und die entstehende Sole anschließend wieder in den Fluss gepumpt werden.
Voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren soll die Sole bei Ditzum in die Ems geleitet werden, in den darauf folgenden Jahren bei Rysum.

Geändert haben EWE und Wingas die beabsichtigte Menge an Sole, die in Ditzum eingeleitet werden soll: Statt 4200 sollen 2800 Kubikmeter pro Stunde ausgestoßen werden. Nach Fertigstellung der Leitung nach Rysum werden dort 6000 Kubimeter Sole ins Wasser gepumpt.

Rheiderland
18.12.2007

Gutachten hinterlassen einige Fragezeichen
 
von Stephan Schmidt
 
VERSAMMLUNG Rheiderländer Grundwasser ist laut EWE und Wingas trotz Kavernenbau nicht gefährdet
 
Die Sole aus Jemgum könne das Grundwasser in Weener nicht versalzen. Der Versorgungsverband zeigte sich gestern kaum überzeugt.

Bunde/Weener - Eigentlich sollte der Vortrag die Gemüter beruhigen. Aber das gelang nicht so richtig. Der Energiekonzern Wingas stellte gestern gemeinsam mit seinem Projekt-Partner EWE auf der Verbandsversammlung des Wasserversorgungsverbands Rheiderland (WVV) in Bunde zwei Gutachten zum Thema Sole-Einleitung in Ditzum vor. Ihr Fazit, das von Wingas-Geologe Karsten König vorgetragen wurde: Eine Gefährdung für das Grundwasser in Weener könne ausgeschlossen werden. Die Brackwassergrenze der Ems steige nur an gut 20 Tagen im Jahr hoch bis Weener : und das auch nur bei mittlerem Niedrigwasser und in kaum messbarer Salzkonzentration. Zudem sei das Grundwasser durch eine ausreichend dicke Tonschicht vor dem Eindringen des Emswassers geschützt.

Der WVV hatte im Vorfeld Bedenken angemeldet: Durch das Einleiten von Salzwasser aus den in Jemgum geplanten Kavernen könne das Trinkwasser in Gefahr geraten. Denn steige die Brackwassergrenze emsaufwärts bis Weener, könnten die dortigen Brunnen versalzen.

Diese Furcht wollten König und Wingas-Projektleiter Arkadius Binia zerstreuen. Dabei stützten sie sich auf neue Gutachten der Bundesanstalt für Wasserbau in Hamburg und von Dr. Jens Führböter von der Technischen Universität Braunschweig. Die Gutachter legten dabei die Lage der Ems nach der anstehenden Vertiefung wegen der Meyer-Werft zugrunde.

Doch was als Beruhigung gedacht war, hinterließ : wie es Verbandsvorsteher Peter Woltermann bezeichnete : „noch viele Fragezeichen“. Die Aussage, die Deckschicht der Ems aus Ton sei ausreichend dick, stellten WVV-Geschäftsführer Jan Schulte und das Weeneraner Stadtratsmitglied Kurt Bock (CDU) in Frage. Messstationen direkt an der Ems in Weener, Terborg und Nüttermoor sollen während der Einleitung prüfen, ob die Salz-Grenzwerte eingehalten werden. Wer die Beweislast bei einer möglichen Übertretung hat, konnte aber nicht geklärt werden.

Wingas und EWE wollen möglichst bald mit dem Bau beginnen. „Die Zeit drängt uns“, sagte Binia. Denn ab 2011 soll Gas in die Kavernen gefüllt werden.

Für das Rheiderland hätte salziges Grundwasser verheerende Folgen, sagte Schulte: „Dann brauchen wir ein neues Wasserwerk in Dielerheide für 15 Millionen Euro.“

 


Weniger als 40 Leute haben sich am Montagabend in Pewsum über die
vorgesehene Einleitung von Sole in die Ems informiert. EWE und Wingas
stellten das Projekt vor. Die Unternehmen wollen Salzwasser, das beim
Ausspülen unterirdischer Kavernen in Jemgum anfällt, bei Rysum
ablassen. Pro Stunde geht es um maximal 4200 Kubikmeter Sole, in fast
konzentrierter Form. „Das sind 1260 Tonnen Salz“, rechnete Johann
Saathoff, Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn, um.

30 Jahre lang soll die Sole in die Ems fließen. Laut der Gutachten,
die von den Unternehmen für die wasserrechtliche Erlaubnis in Auftrag
gegeben wurden, hat das : kurz gesagt : fast keine Auswirkungen.
Zusammengefasst liest sich das so:

 Das Emder Trinkwasser ist nicht gefährdet, der Salzgehalt der Ems bleibt nahezu gleich, für den
Tourismus, die Fische und damit für die Fischerei hat die Sole keine
bösen Folgen.

Ein Übel gestehen Wingas und EWE allerdings ein: An der Stelle, an
der das Salzwasser eingeleitet wird, ist die Konzentration auf einer
Fläche von einem Hektar so hoch, dass kein Tier überleben kann. König
spricht von einem „Totalverlust für die Natur“, der finanziell
ausgeglichen werden soll.


Die Gemeinde Krummhörn ist von den Sole-Plänen bei Rysum nicht
begeistert. Man ahnt, dass EWE und Wingas die Erlaubnis erhalten, „ein
schwarzes Loch in die Ems zu treiben“, so der Bürgermeister. Die
Menschen aber dürften den Deich kaum noch betreten.

Umweltschutz ist so lange gut, wie er die Wirtschaft nicht stört“, kommentierte ein
Besucher der Veranstaltung.


Kritisiert wurde auch, dass die gesamten Eingriffe, die der Fluss
bewältigen müsse, bei neuen Projekten nicht berücksichtigt werden. „An
keinen anderem Fluss wird so ein Raubbau betrieben. Wir müssen Gas
haben und auch die Meyer-Werft, aber nicht um jeden Preis. Man muss
auch an die Natur denken.“

Die Gemeinde Krummhörn sorgt sich um die Fischer. Ihnen stehe das
Wasser bis zum Hals, durch die Einleitung verschlechterten sich ihre
Lebensbedingungen weiter, so Saathoff. „Der Platz wird knapp, uns geht
wieder Fanggebiet verloren“, bestätigten anwesende Fischer. Weil der
Tourismus in der Krummhörn eng mit der Fischerei verbunden ist, sieht
der Bürgermeister auch ihn gefährdet. Sein Vorschlag, die Sole stärker
zu verdünnen, bringt laut König nichts: „Der Hektar bleibt verloren.“
In der Krummhörn ist man davon überzeugt, dass es Alternativen zur
Sole-Einleitung gibt. Selbst wirtschaftliche. Etwa die Verklappung in
der Nordsee. Saathoff: „Dafür braucht man alle fünf Stunden einen
Frachter. Das ist soviel nicht.“
 

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