Das Umweltministerium kündigte eine „umgehende Veröffentlichung“ an.
Das wurde gestern im Leeraner Kreisumweltausschuss bekannt. VON
WOLFGANG MALZAHN                                                                 

LEER - 22.Januar.09

Wir wissen, dass das Emsvorland mit Dioxin belastet ist – aber mehr
wissen wir nicht“, konstatierte Mechthild Tammena (Grüne) gestern in
einer Sitzung des Leeraner Kreis-Umweltausschusses: „Hinsichtlich der
Ursachen stochern wir also weiter im Nebel.“ Das bestätigte auch der
Leeraner Landrat Bernhard Bramlage: „Ich gehe davon aus, dass man noch
keine Ursachen kennt.“ Es gebe nach wie vor viele Fragen, aber noch
keine Antworten darauf, woher das Dioxin an der Ems stammt.

Wie berichtet, waren im Sommer vergangenen Jahres an mehreren Stellen
im Deichvorland der Ems in Grasschnitt erhöhte Werte der hochgiftigen
Chemikalie Dioxin, die in der Natur nicht vorkommt, gemessen worden.
Kreisrätin Jenny Daun berichtete aufgrund einer Anfrage der
Grünen-Fraktion, dass das Umweltministerium in Hannover zusätzlich zu
den Tests des Landkreises Leer und des Landesamts für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg 31 Proben
veranlasst hat. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen seien noch nicht
bekannt. Das Ministerium habe aber eine „umgehende Veröffentlichung“
angekündigt.

Der Landkreis Leer, zuständig für Lebensmittelproben, hatte 29
landwirtschaftliche Unternehmen entlang der Ems als „Risikobetriebe“
eingestuft und auf Dioxin untersucht. Sie alle hatten Schafe oder
Rinder an den Emsufern weiden lassen. Bei allen 33 untersuchten
Schafen waren die Leberwerte überschritten, bei zwölf Schafen auch die
Werte des Muskelfleisches. Bei zwölf Rinderproben gab es zwei
belastete Lebern, und einmal lagen die Werte des Fleisches höher als
erlaubt. Erfreuliches Ergebnis laut Daun: Bei Fischen und bei
Milchproben war keinerlei Dioxinbelastung festgestellt worden. Die
Leeraner Kreisrätin kommt allerdings zu dem Schluss, dass es sich bei
den Giftfunden offenbar nicht um ein typisches Ems-Problem handelt.
„Diese Befunde gibt es auch am Jadebusen, in der Wesermarsch und im
Harz“, sagte Daun.
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                    - Wattenpresse -              
      Pressedienst des Wattenrates Ost-Friesland
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    Anmerkung: Es fehlen nicht nur einheitliche Messstandards, sondern
    auch große Flächen rechts der Ems, die überhaupt nicht beprobt
    wurden, wie z.B. die ehemalige Bohrschlammdeponie der Winterhall
    im Tidebereich bei Nütternmoor (nach den veröffentlichten
    Messpunkten des NLWKN) .Und was messen die Niederländer in ihrem
    Bereich des Dollarts bei Delfzjil im Wattenschlick vor der
    Chemiefirma Akzo-Nobel?

    Wer nicht suchet, der nicht findet.

    MK

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Ostfriesen Zeitung, online, 23. Sept. 2008

Suche nach Dioxin geht weiter
UMWELT Die Behörden haben noch keine Anhaltspunkte für gezielte Tests

OLDENBURG/LEER / LNI / ICH - Woher das Dioxin an der Ems stammt, ist
weiter völlig unklar. Die Fachleute haben trotz zahlreicher Proben und
Analysen noch keine Ahnung. Es fehlten auch noch Anhaltspunkte für
genauere Test an bestimmten Stellen, sagte der Sprecher des
Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne, nachdem es gestern ein
Behördentreffen in Oldenburg gegeben hatte. Zu der Veranstaltung war
schließlich doch noch ein Vertreter des Landkreises Leer eingeladen
worden. Ursprünglich hatten die Ministerien (Umwelt- und
Landwirtschaft) sowie die Behördenvertreter unter sich bleiben wollen
(OZ berichtete).
Angesichts vieler verschiedener Messergebnisse nach
den Giftfunden an der Ems berieten die Fachleute gestern in Oldenburg
vor allem über einheitliche Standards für die Auswertung der Analysen.
„Wichtig ist, wie die Messverfahren vergleichbar gemacht werden
können“, sagte Hahne. Nach dem ersten Gespräch gestern wurde für
kommenden Mittwoch ein zweites Treffen in Hannover vereinbar. Dabei
sollen laut Hahne die Aufgaben verteilt werden Zuerst im Landkreis
Leer und später auch im Emsland waren, wie berichtet, Dioxine und
Polychlorierte Biphenyle (PCB) auf emsnahen Weiden gefunden worden.

Diverse Stellen suchten daraufhin unabhängig voneinander nach dem
Umfang der Verseuchung. Eingebunden in die Analysen waren die
Landkreise Leer und Emsland, das Landesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit, der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft,
Küstenund Naturschutz, die Emder Stadtwerke, das Agrar- und
Umweltministerium sowie ein privates Analyselabor. Sie testeten
Futtermittel, Milch, Wasser, Emsschlick, Aale sowie Fleisch und Leber
von Rindern und Schafen. Vorläufiges Ergebnis: Das Gras entlang der
Ems ist von Emden bis Papenburg – also im gesamten Tidebereich des
Flusses – mal mehr, mal weniger stark belastet. Die Lebern von
Deichschafen waren hoch verseucht, und auch bei einem untersuchten
Rind waren die Werte im Fleisch bedenklich. Der Landkreis Leer hatte
auch Binnendeichs eine Probe genommen, sie war negativ. Derzeit wird
Trinkwasser im Rheiderland und den Städten Emden und Leer untersucht.
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Das Ausmaß der Dioxinfunde an der Ems wird immer größer. Dies zeigt das Ergebnis einer Probe, das am Donnerstag durch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bekannt gegeben wurde.

Leer/Oldenburg - Bei den Untersuchungen der Proben von giftbelasteten Weiden an der Ems gibt es eine erste Entwarnung für Verbraucher. Nach den bisherigen Ergebnissen ist die Milch der Kühe, die auf den belasteten Flächen weiden oder dort gemähtes Gras fressen, nicht gefährlich belastet. „Die Grenzwerte werden deutlich unterschritten”, sagte Bernhard Aue, Abteilungsleiter im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg.

Bei der untersuchten Milch ist nicht nur der Grenzwert eingehalten. Auch der so genannte Auslösewert ­ eine Grenze, bei der Anlass zur Sorge besteht ­ sei nicht erreicht worden. Allerdings seien erst zwei von insgesamt sieben Proben ausgewertet. Das LAVES hatte im Landkreis Leer und in Emden rechts und links der Ems acht Grasschnitt-Proben genommen. Zwei Untersuchungs-Ergebnisse stehen noch aus. Eins war negativ, die anderen wiesen bis zu vierfach erhöhte Dioxin-Werte auf. Drei betroffene Flächen werden nach Angaben des LAVES kommende Woche gesperrt, weitere folgen.

 

Grenzwertiger Quark?!
 
Leserbrief zum Bericht „Rheiderländer Bauern sind in Aufruhr“
 
Der Pressesprecher des Agrarministeriums in Hannover, Gert Hahne, hält diesem Bericht nach die festgestellten Konzentrationen von Dioxin und PCB, obwohl sie den Grenzwert um das zwei- bis Vierfache überschreiten, für wenig dramatisch. In Anbetracht der sehr geringen Konzentrationen von Grenzwerten, die bei diesen Stoffen im Nanogrammbereich liegen, scheint diese Ansicht berechtigt. Wenn man jedoch überdenkt, dass schon Konzentrationen, die an der Grenze der Nachweisbarkeit liegen, das Immunsystem des Menschen schwächen können und sich im menschlichen und tierischen Gewebe sogar noch anreichern, sollte man diese Untersuchungsergebnisse nicht bagatellisieren. Zumal noch nicht einmal das Ausmaß der kontaminierten Flächen bekannt ist.
Überlassen wir doch das Herunterspielen und Schönreden lieber den möglichen Verursachern, sollten sie denn jemals gefunden werden.
Sollte es nicht eigentlich auch die Aufgabe des Agrarministeriums sein, die Interessen der Landwirte zu vertreten, und sie nicht mit Ha(h)nebüchenen Vorschlägen abspeisen wie „dann kommen eben nur noch alte Tiere zum Fressen auf die Weide“?
Das aber der Grenzwert von toxischen Stoffen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum eines Joghurts in bemüht humoristischer Weise verglichen wird, zeigt deutlich, dass der Bürger überhaupt nicht ernst genommen, ihm im Gegenteil wohl jeglicher Menschenverstand abgesprochen wird.
 
Carola Dams, Willy Ostendorp
Tichelwarf
 
 
 
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