Stapelmoor
14.11.2012

Idyllisch gelegener Hof ist heute eine Ruine

Die Risse in der Außenmauer sind so tief, dass eine Hand hineinpasst. Damit die Wand nicht einstürzt, hat sie Jan-Hinrich Sanders mit Stützpfeilern gesichert. Bild: Gettkowski
Die Risse in der Außenmauer sind so tief, dass eine Hand hineinpasst. Damit die Wand nicht einstürzt, hat sie Jan-Hinrich Sanders mit Stützpfeilern gesichert. Bild: Gettkowski

Von Tatjana Gettkowski

Ein Landwirt aus Weenermoor klagt gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden: Jan-Hinrich Sanders ist überzeugt, dass die massiven Schäden an seinem Gebäude durch Baggerungen in der Ems verursacht wurden.

Stapelmoor - Das Luftbild auf der Broschüre zeigt einen idyllisch gelegenen Hof in Stapelmoor – von dichtem Baumbestand umgeben, direkt am Deich. „Unser Haus an der Ems“ steht auf dem Titelblatt. Doch das wirbt nicht etwa für Urlaub auf dem Bauernhof. Auf den 15  Seiten hat Jan-Hinrich Sanders vielmehr die massiven Schäden am Gebäude dokumentiert. Die Ursache dafür liegt für den Landwirt klar auf der Hand: die Baggerarbeiten für die Emsvertiefung.

Jahrzehnte lang hat das 1957 gebaute Haus unbeschadet an der Deichstraße 7  gestanden. Hinderk Sanders hatte den Hof im Jahr 1980 für seinen Sohn Jan-Hinrich gekauft. Erste Risse hätten sich 1987 an den Außenmauern gezeigt. „Wir haben das auf den trockenen Sommer zurückgeführt. Darauf, dass das mit der Emsvertiefung zu tun haben könnte, sind wir damals nicht gekommen.“

Seit dreieinhalb Jahren ist das Gebäude unbewohnt

Doch die Schäden wurden immer schlimmer, die Risse tiefer. Bald klafften in den Innenwänden des Wohnhauses Risse, erzählt der Landwirt aus Weenermoor. Auch der Fußboden hob sich und riss. 2001 hat sich Sanders mit den Diekloopers in Verbindung gesetzt. „Dort meinte man, dass die Emsvertiefung Grund für die Schäden ist.“ Sanders schaltete einen Bausachverständigen ein und ließ Bodenuntersuchungen machen. Erst in einer Tiefe von 4,50  Meter sei fester Boden. Doch das Gebäude sei auf der darüber liegenden Sandschicht gebaut worden. „Das Gebäude schwimmt quasi darauf.“ Und immer, nachdem in der Ems gebaggert wurde, sei das Haus in Bewegung geraten.

„Seit dreieinhalb Jahren ist es nun schon unbewohnt“, erzählt Sanders, „Es wurde einfach zu gefährlich.“ Seitdem die Innenwand des Hintergiebels eingestürzt ist, verzichtet sein Bruder darauf, landwirtschaftliche Geräte über den Winter in die Scheune zu stellen. Die Außenwand des Stalltraktes hat Sanders mit Stützpfeilern aus Holz gesichert. „Wegen Einsturzgefahr ist das Betreten des Gebäudes nicht erlaubt. Eltern haften für ihre Kinder“, steht als Warnung auf einem Schild im Fenster. Das einstige Idyll in traumhafter Lage ist heute ein Fall für den Abrissbagger.

Am Mittwoch ist die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg

„Ich erwarte, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt den Schaden anerkennt und ich eine Ersatzzahlung bekomme, mit der ich hier ein vergleichbares Gebäude neu bauen kann“, sagt Sanders. Er klagt gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden. Nachdem er mit seinen Schadensersatzforderungen gegen die Bundesbehörde bei den Verhandlungen vor dem Amtsgericht Leer und dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg gescheitert ist, geht der Rechtsstreit in der kommenden Woche in die nächste Instanz.

Die Verhandlung ist am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg. Auch, wenn sich der Landwirt aus Weenermoor kämpferisch gibt – mit großer Hoffnung, das spürt man, blickt er der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg nicht entgegen. „Aber wer weiß – vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“

 

 

    Deichversackung und Auskolkung der Straße unterm Deich bei Völlen, durch die Ausbaggerung der  Ems                                                                                                

                                                                                                         

              

 

 

 

 

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